320 Jahre Erfahrung 

 

„awoRockers” mit einer musikalischen Weltreise

 

 VON HORST MAYER

 

 WENDELSTEIN — Bei fetziger Musik und bester Stimmung feierte der Beatclub der Arbeiterwohlfahrt (Awo) den 50. Jahrestag des „Summer of Love” 1967. Unter den rund 150 begeisterten Besuchern waren Gäste aus Nürnbergs Südstadt sowie Angehörige der beschützenden Abteilung des Awo-Pflegeheims Petersgmünd.

 

 Die 2013 gegründete Seniorenband „awo Rockers” gestaltete die musikalische Zeitreise. Die „Rolling Stones” von Wendelstein, wie sie mittlerweile genannt werden, sind fränkische Instrumentalisten zwischen 58 und 73 Jahren. Wenn sie auftreten, stehen zusammen 320 Jahre auf der Bühne.

 

 Geführt von Bandleader Klaus Pusch, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Wendelstein, ließen sie es kräftig krachen. Populäre Lieder wie „All my lovin” (Beatles), „I am a believer” (Monkees) oder „house of rising sun” (Animals) erinnerten die ehemaligen Blumenkinder im vollen Saal des Mehrgenerationenhauses an die Popkultur mit viel Musik und Drogen.

 

 Doch die Zuhörer in Wendelstein genossen die Oldies weniger mit Räucherstäbchen, als vielmehr mit selbstgebackenen Keksen, heimischen Schnäpsen und Schmalzbroten. Während dessen rockten Tanzbegeisterte aus Platzmangel im angrenzenden Hauseingang.

 

 Auch das Outfit der Ansagerin war der damaligen Mode angepasst. Awo-Altentherapeutin Karin Dellermann als „Uschi Nerke” - die Moderatorin und Architektin leitete in den 60ern den Beatclub im Fernsehen - erschien im schwarzen Mini-Kleid. Sie begrüßte ehemalige Musikerkollegen mit ihren Ehefrauen aus der Südstadt, die mit Pusch die Vorgängergruppe der „awo-Rockers” gegründet hatten: Die „Derry Chicken Group” (DCG) aus Nürnberg-Steinbühl.

 

 Die Höhepunkte der Band: Sie errang 1967, während im gleichen Jahr in Monterey südlich von San Francisco das erste große Rockfestival stattfand, den Titel eines Beat-Stadtmeisters in Nürnberg und ein Jahr später in der gleichen Kategorie die Stadtmeisterschaft in Erlangen.

Proben im Turmzimmer

 

 Besonders freute man sich über ein Wiedersehen mit Herbert Petschner aus Nürnberg. Der ehemalige Bankkaufmann war der Manager der „Derry Chicken Group”. Er hatte die Auftritte der Gruppe organisiert, bis diese sich durch Mädchenbekanntschaften und Wehrdienst auflöste. „Mit Petschner hatten wir seit nahezu einem halben Jahrhundert keinen Kontakt mehr”, erzählt Pusch. Und wo probten die jungen Amateurmusiker? Dazu Zeitzeuge Hermann Fölsch: „Im Turmzimmer der im Krieg zerstörten Christuskirche in Steinbühl.” Doch der allgemeine Treffpunkt der Bandmitglieder, die dem Christlichen Verein Junger Männer (CVJM) angehörten, war die frühere Notkirche in der Schonerstraße.

 

„Durch eigenhändigen Ausbau schufen wir in der Notkirche ein Ambiente, das jedem Club in der Luitpoldstraße genügt hätte. Angemalte Glühbirnen, Tische aus Holzbierfässern, eine Bar aus Teilen des Podiums und eine Western-Saloon-Schwingtür aus Holz. Dafür haben wir allerdings die bunt bemalten Fensterläden der Kirche ausgehängt und umfunktioniert”, berichtet Fölsch weiter. Doch das war zuviel. Der Pfarrer reagierte empört, die Fensterläden mussten wieder außen angebracht werden, und die Notkirche war als Treffpunkt verloren.

 

 Schließlich gab es an diesem Abend noch eine „Welturaufführung”. Die „awo Rockers” spielten ihren ersten eigenen Song unter dem Titel „Summer of Love is gone”, stürmisch umjubelt vom Publikum. Dazu Pusch: „Der Sommer von 1967 hat unsere Nürnberger Welt und unser Leben verändert. Doch wir lieben uns noch.”

 

HORST MAYER

 

Mit freundlicher Genehmigung des Schwabacher Tagblatts

 

Die „awo Rockers” (von links): Klaus Pusch (Rhythmusgitarre), Karl Heinz Nolte (Keyboard-Orgel), Chris Bach (Sologitarre), Reinhold Wagner (Schlagzeug) und Peter Berngruber (Bass).